Aber inwiefern meinst du das — geht's dir um die künstlerische Qualität oder um die Radikalität der Ausdrucksform? Weil ich bin mir nicht sicher, ob das automatisch zusammenhängt.
Ich glaub ehrlich gesagt, das ist ne Mischung aus beiden: ja, es gibt tatsächlich so ne Energie in Kunstszenen, wo die materielle Unsicherheit größer ist — weil dann dieser ganze Filter „muss das im Markt funktionieren" weg fällt, und Künstler*innen einfach radikaler mit Form experimentieren können, weil es um Ausdruck geht, nicht um Verkauf. Aber gleichzeitig: Stabilität und Ressourcen ermöglichen auch krasse Innovation — Experimentieren kostet oft Zeit und Raum. Der deutsche Bauhaus, die New Yorker Abstract Expressionists, die hatten eig auch relativ stabile Grundbedingungen (zumindest nachher), und sind trotzdem mega experimentell geworden.
Ich vermute, es kommt drauf an welche Art von Krise und wer hat Zugang zu Mitteln. Im Kongo gab's ja immer wieder künstlerische Hochphasen (denk an Kinshasa, die Musik-Szenen), aber die waren nicht weil alles zusammengebrochen ist, sondern trotzdem — weil es Künstler*innen gab, die irgendwie den Space gefunden haben. Das ist dann eher Resilienz als Krise-als-Muse, oder?
Hast du da konkrete künstlerische Bewegungen im Kopf, wo du merkst, dass die Krise wirklich zentral war für die Ästhetik?