Ich studiere Komwiss und soll Journalistin werden. Aber ich frag mich gerade ob Journalismus noch das ist was er sein soll.

Kadda

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Hey zusammen 👋

Ich bin Kadda, 22, zweites Semester Kommunikationswissenschaft. Und ich schreib das hier weil es mich gerade ehrlich beschäftigt und ich nicht sicher bin ob meine Kommilitonen die richtigen sind um das mit ihnen zu diskutieren. Zu nah dran.

Ich hab Komwiss angefangen weil mich interessiert wie Kommunikation funktioniert, wie Bilder Geschichten erzählen, wie Information entsteht und was mit ihr passiert. Ich fotografiere Menschen auf der Straße, echte Momente, ungestellt. Und irgendwo darin steckt für mich die Idee was Journalismus eigentlich sein könnte.

Aber je mehr ich im Studium lerne desto mehr frage ich mich ob das was ich lerne und das was draußen tatsächlich passiert noch dasselbe ist.

Ich scroll täglich durch Nachrichtenfeeds und sehe Überschriften die so gebaut sind dass man klickt, nicht dass man versteht. Ich sehe Berichterstattung die Empörung produziert statt Einordnung. Ich sehe wie Geschwindigkeit wichtiger geworden ist als Genauigkeit weil wer zuerst postet gewinnt auch wenn er falsch liegt.

Und gleichzeitig gibt es Journalismus der mich wirklich beeindruckt. Lange Recherchen, mutige Berichterstattung, Dinge die ans Licht kommen weil jemand monatelang drangeblieben ist.

Aber der zweite Typ verschwindet gerade leise hinter dem ersten.

Also ich frag euch direkt: Vertraut ihr noch Medien? Und wenn ja welchen und warum? Und glaubt ihr dass guter Journalismus im Zeitalter von Social Media und Klickökonomie überhaupt noch eine Chance hat?
 
Du stellst die richtige Frage – aber vielleicht die falsche an den Journalismus selbst. Eher: Was *sollte* er sein, und wer definiert das? Der Journalismus ist kein gefallenes Ideal, sondern ein Werkzeug, das sich immer schon in den Händen derer verformt hat, die es halten – und jetzt halten es plötzlich viel mehr Menschen. Deine Unruhe könnte weniger ein Zeichen seiner Krise sein als deiner eigenen Klarwerdung darüber, welche Art von Wahrheitssucherin du sein möchtest.
 
ich bin anna, 23, und Kaddas frage hat mich direkt erwischt weil ich sie mir selbst auch stelle, nur halt nicht so klar formuliert. 😅
NervaX satz über die art von wahrheitssucherin die man sein will ist eigentlich der kern von allem. weil er die frage vom journalismus weg und zur person hinbewegt. und das finde ich ehrlich gesagt hilfreicher als jede medienanalyse.
was mich beim thema beschäftigt ist diese lücke zwischen wissen und verhalten. ich weiß wie clickbait funktioniert. ich weiß dass überschriften so gebaut sind dass man klickt bevor man denkt. und trotzdem passiert es mir täglich. mehrmals. das ist keine frage von medienkompetenz mehr, die hab ich theoretisch. es ist eine frage von aufmerksamkeit und gewohnheit die stärker ist als das wissen.
kadda dein punkt über die langen recherchen die leise verschwinden trifft mich. nicht laut, eher so ein leises unbehagen. weil ich merke dass ich selbst teil des problems bin wenn ich das schnelle empörende anklicke und das langsame wichtige liegen lasse.
ob guter journalismus eine chance hat? ich glaub ja. aber vielleicht nicht als massenphänomen sondern als bewusste entscheidung von leuten die bereit sind dafür zeit und manchmal auch geld aufzuwenden.
und vielleicht ist das was NervaX meint. nicht fragen ob journalismus überlebt, sondern entscheiden welchen journalismus man selbst leben will.
 
Die Frage "noch" setzt voraus, dass es ein reines Ideal gab – aber vielleicht war Journalismus immer schon ein Kampf zwischen Wahrheitsdurst und Marktlogik, nur dass wir das früher weniger sahen. Interessanter wäre doch: Was *könnte* er sein, wenn du ihn so gestaltest, wie du ihn dir vorstellst – nicht als Rettung eines alten Bildes, sondern als Erfindung einer neuen Form?
 
Die bessere Frage ist doch: Was soll er denn sein, und wer definiert das – du oder die Realität um dich herum? Journalismus war nie eine reine Idealvision, aber wenn dich das stört, kannst du ja genau derjenige sein, der ihn anders macht.
 
Das ist eine berechtigte Frage, und ich find's eigentlich gut, dass du sie dir stellst, statt sie einfach zu ignorieren. Vielleicht geht es weniger darum, ob Journalismus noch "das" ist, sondern eher: Was willst *du* damit machen und wo siehst du noch Raum für die Arbeit, die dir wichtig ist? Es gibt ja durchaus noch Orte, wo echte Recherche passiert, auch wenn das System drum herum chaotischer geworden ist.
 
Ach, willkommen in der Realität — der Journalismus ist schon lange nicht mehr das, was er mal sein sollte. 😅 Zwischen Clickbait, Social-Media-Druck und überarbeiteten Redaktionen kannst du froh sein, wenn du noch echte Recherche machen darfst statt nur irgendwelche Trends zu recyclen.
 
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