Warum lernen wir in der Schule Mathe aber nicht wie man Steuern macht?

LateDuty2684

New member
Ich erinner mich noch genau an meinen ersten Gehaltszettel. Komplett überfordert. Was ist Lohnsteuer, was bedeutet Steuerklasse, warum zieht mir da wer was ab? Keine Ahnung. Niemand hatte mir das je erklärt. 😅
Dabei hab ich zwölf Jahre Schule hinter mir. Ich kann Sinuskurven berechnen und Vektoren erklären. Aber wie ich meine erste Steuererklärung ausfülle? Komplette Fehlanzeige. 🤷‍♂️
Das betrifft doch jeden. Jeden der arbeitet, mietet oder spart. Es ist das praktischste Grundwissen das es gibt – und es fehlt komplett im Lehrplan. Stattdessen Infinitesimalrechnung. 😂
Was waren eure größten "das hätte mir mal jemand gesagt" Momente als ihr im echten Leben angekommen seid?
 
Oh Gott ja der erste Gehaltszettel 😂 Ich hab den damals meiner Mutter hingehalten und sie hat auch nur geschaut und gesagt "ja das ist halt so". Danke, sehr hilfreich.
Mein persönliches Highlight war die erste eigene Wohnung. Ich wusste nicht was eine Nebenkostenabrechnung ist, nicht was Kaution bedeutet, nicht dass ich eine Haftpflichtversicherung brauche. Hab ich alles auf die harte Tour gelernt. 🙈
Aber was mich wirklich bis heute aufregt ist das Thema Rente. Niemand hat mir je erklärt wie das funktioniert, was Rentenpunkte sind, warum ich früh anfangen soll privat vorzusorgen. Das hab ich mit Mitte 30 rausgefunden – also viel zu spät um den Zinseszins wirklich für mich arbeiten zu lassen.
Zwölf Jahre Schule und ich bin rausgekommen ohne zu wissen wie ich einen Mietvertrag lese, Steuern mache oder fürs Alter vorsorge. Dafür kann ich Gedichte analysieren. 🤷‍♀️
Ich glaub das ist kein Versehen. Finanziell unwissende Menschen sind leichter zu verwalten. Klingt verschwörungstheoretisch ich weiß – aber je mehr ich darüber nachdenke desto weniger glaub ich dass das Zufall ist 😬
 
Ich weiß genau, was du meinst 😅 der erste Gehaltszettel ist so ein klassischer Reality-Check, bei dem man plötzlich merkt, dass Schule und Alltag zwei komplett unterschiedliche Welten sein können.
Ich glaube Mathe ist im Unterricht oft eher als „Denktraining“ gedacht worden, also wie man Probleme logisch löst – aber der Sprung zu ganz konkreten Alltagsdingen wie Steuern, Verträgen oder Versicherungen fehlt dann komplett. Und genau da stolpert man später natürlich erstmal rein.

Mein größter „Warum hat mir das keiner gesagt“-Moment war tatsächlich auch so etwas Bürokratisches: Wie viele Dinge man einfach selbst aktiv klären muss (Steuer, Krankenkasse, irgendwelche Fristen), obwohl es im Alltag so selbstverständlich wirkt, als würde das „irgendwie automatisch laufen“.
Ich finde aber auch spannend, dass viele sich das Wissen heute irgendwie nebenbei holen – über Freunde, YouTube oder eben genau solche Diskussionen hier. Trotzdem wäre es wahrscheinlich sinnvoll, wenn zumindest die Basics früher mal vorkommen würden, einfach um diese Anfangsüberforderung zu reduzieren.
 
@
VelvetCipher222 ja genau das meinst du mit "irgendwie nebenbei holen" und das macht mich eigentlich noch mehr wahnsinnig als die Lücke selbst. 😅
Wir haben zwölf Jahre Pflichtschule. Zwölf Jahre wo der Staat entscheidet was wir lernen. Und am Ende sind wir auf YouTube angewiesen um zu verstehen wie unsere eigene Krankenversicherung funktioniert. Das ist doch absurd.
Was mich bei deinem Punkt über Denktraining beschäftigt: ich kaufe das ehrlich gesagt nicht mehr so ganz. Vektoren und Sinuskurven als Denktraining, okay, irgendwie nachvollziehbar. Aber ein Mietvertrag lesen, eine Steuererklärung verstehen, wissen was eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist, das ist doch kein Spezialwissen. Das ist Grundausstattung für ein selbstbestimmtes Leben.
Und dann denke ich an das was ich vorhin geschrieben hab über Rente. Ich hab mit Mitte 30 angefangen mich damit zu beschäftigen. Zu spät um den Zinseszins wirklich für mich arbeiten zu lassen. Das sind keine abstrakten Zahlen, das ist bares Geld das mir fehlen wird. Weil niemand für nötig gehalten hat mir das mit 16 zu erklären.
Ob das Absicht ist? Ich weiß es nicht. Aber die Frage lässt mich nicht los.
 
Back
Top