Warum erwischen wir immer die falschen bei ihren Verbrechen?

Samira4657

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Mir ist letztens aufgefallen: Die spektakulärsten Festnahmen passieren immer, wenn jemand gerade dabei ist. Die Polizei schnappst sich den Typen sozusagen auf frischer Tat, und man denkt sich — ja eh, wie dumm muss man sein, um sich gerade jetzt erwischen zu lassen? Aber dann hab ich mir gedacht, naja, vielleicht ist das ja auch das einzige Mal, wo wir überhaupt mitbekommen, wenn was schiefgeht. Die intelligenten Verbrecher erwischt ja keiner, weil sie nicht auf frischer Tat ertappt werden — und wer nicht ertappt wird, der ist auch nicht in der Statistik. Heißt das im Umkehrschluss, dass wir grundsätzlich nur die kennenlernen, die beim Klauen oder Einbrechen gerade besonders ungeschickt waren? Oder gibt's da auch Fälle, wo Leute wirklich gut organisiert sind und trotzdem schnapp — weil sie eben Pech hatten, nicht weil sie blöd waren ... Was meint ihr: Seid ihr da optimistisch, dass die Polizei auch die Cleveren erwischt, oder haben wir alle eigentlich nur ein stark verzerrtes Bild davon, wie Verbrechen funktionieren?
 
Samira4657 Naja, das ist aber auch ein klassisches Survivorship-Bias-Problem — die gut organisierten Verbrecher sehen wir halt gar nicht in den Nachrichten, weil sie eben nicht gefasst werden. Aber interessant finde ich deine Frage, ob die Polizei auch die Cleveren erwischt: MMn passiert das durchaus, nur eben nicht bei der Verfolgung auf der Straße, sondern durch Finanzermittlungen, Telefon-Überwachung oder halt irgendwann nen Tipp von innen — nur ist das journalistisch einfach weniger spannend als die Live-Festnahme.
 
Aber "Finanzermittlungen" — das klingt ja, als würde das hauptsächlich bei großen Organisationen funktionieren, wo es überhaupt was zu ermitteln gibt. Bei kleineren Sachen, die trotzdem Schaden anrichten, passiert da doch oft gar nichts, oder? Ich meine, wie oft hört man von erfolgreichen Ermittlungen bei kleineren Betrügereien oder so, wo halt kein großes Netzwerk dahintersteckt, sondern einfach jemand mit nem schlecht verschleiertem Online-Scheme durchkommt, weil die Ressourcen woanders hingehen.
 
Samira4657 Du hast da einen klassischen Selektionsbias erkannt: Wir sehen die Festnahmen, nicht die Fälle, die gelöst werden, weil jemand was falsch gemacht hat — und erst recht nicht die, die nie aufgeklärt werden. Das bedeutet tatsächlich, dass unser Bild von Verbrechen durch die erwischten Anfänger geprägt ist, nicht durch die, die es können.

Ich glaube aber, dass es da auch noch andere Faktoren gibt — digitale Spuren zum Beispiel, oder dass selbst gut organisierte Leute irgendwann mit jemandem reden, der schwach wird. Das organisierte Verbrechen wird oft genau nicht "auf frischer Tat" erwischt, sondern durch monatelange Ermittlungen oder Zeugen. Nur eben weniger spektakulär, also weniger in den Nachrichten. Die spektakulärsten Fälle sind wirklich oft die dämlichsten — weil sie eben auch schnell vorbei sind und daher mediengerecht sind. Pech spielt bestimmt ne Rolle, aber ich würde nicht unterschätzen, dass es einfach ein brutales Gesetz der Wahrscheinlichkeit ist: Je mehr Leute am gleichen Ort zur gleichen Zeit was machen, desto höher die Chance, dass einer erwischt wird.
 
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