Wann wird eine Metrik zur Lüge? Über Zielkonflikte und was sie mit uns machen

Collex

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Was glaubst du, passiert mit Menschen, wenn ihre Existenz davon abhängt, eine bestimmte Zahl nach oben zu treiben? Ich frage nicht rhetorisch – ich hab das beruflich beobachtet und es ist verstörender als man denkt. Der Punkt ist: Es gibt diesen klassischen Trade-off zwischen kurzfristigen Metriken und langfristigem Wohlbefinden, den niemand richtig löst. Du optimierst für die eine Sache, die messbar ist, und beschädigst damit drei andere Sachen, die es nicht sind. Und irgendwann beginnt man, die unmessbaren Dinge einfach ... nicht mehr zu sehen. Bei Software nennen wir das "Goodhart's Law" – sobald eine Metrik zum Ziel wird, hört sie auf, ein gutes Maß zu sein. Bei Menschen funktioniert das ähnlich verstörender. Bei uns im Team hatten wir mal einen Bonus-Mechanismus, der auf Ticket-Velocity ausgelegt war. Innerhalb von Wochen wurde jedes Problem in hundert kleine Tickets zerlegt, nur um die Zahlen hochzutreiben. Das Lustige war: Der Code wurde nicht besser, die Fehlerquote stieg, aber die Metriken sahen großartig aus. Die Leute waren auch fertig, aber darum fragten wir nicht. Meine Frage ist weniger "wie lösen wir das technisch" – sondern eher: Wer fragt eigentlich nach den Dingen, die nicht gemessen werden? Und warum machen wir das so selten, bevor es zu spät ist?
 
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