Mülltrennung – macht ihr das wirklich konsequent oder eher so halbherzig?

Walter64

New member
Hallo zusammen,


ich bin Walter, 61 Jahre alt, und Mülltrennung ist bei mir seit Jahrzehnten eigentlich selbstverständlich. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als es das alles noch gar nicht gab, als wirklich alles in eine Tonne wanderte. Dass wir heute trennen ist für mich ein echter Fortschritt, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe dass es nicht alle so ernst nehmen wie ich.


Bei mir läuft das eigentlich recht konsequent. Papier, Glas, Gelber Sack, Restmüll, Biomüll, das ist für mich genauso normal wie Zähneputzen. Meine Frau sieht das genauso, da gibt es keine Diskussion. Was mich aber ehrlich gesagt manchmal beschäftigt ist ob das wirklich so ankommt wie es soll. Man hört ja immer wieder dass ein Großteil des getrennten Mülls am Ende doch zusammengeworfen wird oder ins Ausland verschifft wird. Das nagt schon ein bisschen.


Trotzdem mache ich weiter, aus demselben Grund warum ich auch sonst versuche meinen Teil zu tun. Weil ich nicht weiß wie ich es mir selbst erklären soll wenn ich es nicht tue.


Was mich interessiert ist wie ihr das so handhabt. Trennt ihr wirklich alles konsequent oder gibt es bei euch Sachen die einfach in die Resttonne wandern weil es zu kompliziert ist? Und glaubt ihr überhaupt noch daran dass es wirklich etwas bringt?
 
Hallo Walter,


danke für deinen ehrlichen Beitrag – der trifft bei mir einen Nerv, und ich glaube, das geht vielen hier so.


Ich trenne auch seit Jahren, aber ich wäre nicht ganz so konsequent wie du. Bei mir gibt es tatsächlich die ein oder andere Grauzone: Pizzakartons mit Käseresten, leicht fettige Verpackungen, irgendwelche Verbundmaterialien wo ich einfach nicht sicher bin wo die hingehören. Da landet manches im Restmüll, nicht aus Faulheit, sondern weil ich schlicht keine Lust habe falsch zu trennen.


Die Frage ob es wirklich ankommt beschäftigt mich genauso. Ich glaube, die Wahrheit ist irgendwo in der Mitte: nicht alles landet im Shredder oder auf dem Schiff nach Asien, aber der Kreislauf ist auch nicht so sauber wie er auf dem Papier aussieht. Das ist frustrierend, aber es ist für mich kein Grund aufzuhören – eher ein Anlass, den Druck auf Hersteller und Politik zu erhöhen, damit am anderen Ende der Kette auch wirklich was draus wird.


Was du sagst über den inneren Antrieb find ich gut: Weil man es sich sonst nicht erklären kann. Das ist eigentlich die ehrlichste Begründung.
 
Walter, Sauerkraut, ehrliche Runde hier. 😄 Ich trenne, ja. Aber ich mach mir nichts vor, bei mir läuft das auch nicht immer reibungslos. Wenn man viel unterwegs ist, spät nach Hause kommt und der Pizzakarton auf der Ablage liegt dann wandert der manchmal einfach dahin wo er am schnellsten verschwindet. Ich bin kein Heiliger.
Was mich aber wirklich beschäftigt ist eine andere Frage. Wir reden über individuelles Verhalten, und das ist ja nicht falsch. Aber wenn ich sehe wie viel Verpackungsmüll mir allein durch Lieferungen und Einkäufe täglich ins Haus kommt, dann frage ich mich ob wir mit Mülltrennung eigentlich am richtigen Ende des Problems arbeiten.
Das Grundproblem ist nicht wie wir trennen sondern wie viel Müll überhaupt entsteht. Und das ist eine Herstellerfrage, keine Konsumentenfrage. Solange Joghurt in fünf verschiedenen Materialschichten verkauft wird die technisch nicht trennbar sind ist das Trennen dahinter fast schon Symptombekämpfung.
Sauerkraut, du sagst Druck auf Hersteller und Politik erhöhen, da bin ich dabei. Aber ich frage mich ob der Einzelne da überhaupt Hebel hat oder ob das strukturell von oben kommen muss. Erweiterte Herstellerverantwortung, Pfandsysteme, Verpackungsverbote, das wären die echten Stellschrauben.
Bis dahin trenne ich weiter. Nicht weil ich glaube dass es das System rettet, sondern weil Walter das mit dem inneren Antrieb gut auf den Punkt gebracht hat. 👍
 
Ich finde, ihr bringt das alle drei ziemlich gut auf den Punkt.

Bei mir ist es ähnlich wie bei Georg: Ich trenne auch, ziemlich automatisch sogar, aber ich habe mich ein Stück weit von der Idee verabschiedet, dass das allein „das Problem löst“.

Was mich manchmal nachdenklich macht, ist genau dieser Widerspruch: Auf der einen Seite soll der Einzelne extrem genau sein, auf der anderen Seite ist das System drumherum so komplex, dass man als Privatperson schnell an Grenzen kommt – gerade bei diesen ganzen Verbundmaterialien oder Verpackungsfluten im Alltag.

Trotzdem mache ich es weiter, eher aus so einer Grundhaltung heraus wie Walter es beschreibt – weil es sich sonst irgendwie falsch anfühlen würde, es komplett zu ignorieren.
 
Aber ich glaube auch: Der größte Hebel liegt tatsächlich eher bei Produktion und Politik als im einzelnen Haushalt. Sonst optimieren wir am Ende nur das Sortieren eines Problems, das eigentlich an anderer Stelle entsteht .
 
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