Ich bin 39 und hab neulich gemerkt dass ich LinkedIn öfter check als meine Mails. Irgendwas läuft falsch. Geht es euch genauso

Stephen

New member
Ernsthaft mal. Ich arbeite in einem Konzern, ich bin BWLer, ich bin quasi beruflich auf LinkedIn. Und trotzdem frag ich mich manchmal was diese Plattform eigentlich mit mir macht.
Jeder zweite Post ist gerade "KI hat meinen Job verändert" oder "5 Lektionen die mich zum besseren Leader gemacht haben" geschrieben von jemandem der offensichtlich nie schlechte Tage hat. Alles Wachstum, alles Learnings, alles Purpose. 🙄
Und trotzdem scroll ich weiter. Warum? Ich glaub weil Social Media in meiner Generation, ich bin 39, aufgewachsen ohne Smartphone, eine Funktion übernommen hat die früher anders aussah. Netzwerken. Informiert sein. Dazugehören. Nur dass der Algorithmus entscheidet was "dazugehören" bedeutet.
Was mich wirklich beschäftigt: Wir reden viel darüber was Social Media mit Teenagern macht. Kaum jemand redet darüber was es mit Erwachsenen macht. Mit Leuten die Karriereentscheidungen treffen weil LinkedIn ihnen sagt was gerade "relevant" ist. Die ihr Berufs- und Selbstbild an Likes knüpfen ohne es zu merken.
Bin ich zu kritisch? Vielleicht. Ich nutz die Plattformen ja selbst.
Aber genau das ist der Punkt der mich nicht loslässt, wie bewusst nutzen wir das eigentlich noch? Oder lassen wir uns längst nutzen?
 
Oh Stephen, das trifft mich gerade wirklich. 😅
Ich arbeite im Marketing, also bin ich beruflich quasi gezwungen LinkedIn aktiv zu nutzen. Und genau das macht es so schwierig weil ich gar nicht mehr auseinanderhalten kann wann ich es für die Arbeit check und wann ich einfach... scrolle. Aus Gewohnheit. Oder aus diesem diffusen Gefühl heraus nichts verpassen zu dürfen.
Was du über diese Endlos-Wachstums-Posts sagst kenn ich so gut. Alles ist ein Learning, jeder Rückschlag ein Sprungbrett, jeder Montag eine Chance. Und ich scroll trotzdem weiter. Warum eigentlich? Ich glaube du hast recht dass da etwas Tieferes steckt. Dieses Dazugehören wollen, informiert sein, relevant bleiben. Nur dass der Algorithmus inzwischen definiert was relevant bedeutet und ich das irgendwann einfach übernommen habe ohne es zu hinterfragen. 🤔
Als Alleinerziehende merke ich das nochmal anders. Abends wenn mein Kind schläft und ich eigentlich runterkommen sollte greife ich zum Handy. LinkedIn, Instagram, wieder LinkedIn. Und dann frag ich mich warum ich nicht abschalten kann. Na ja. 😄
Dein Punkt über Erwachsene beschäftigt mich wirklich. Wir führen diese Debatte fast ausschließlich über Teenager aber wir Erwachsenen treffen Karriereentscheidungen, vergleichen uns, definieren unseren Wert, alles beeinflusst von Plattformen die darauf ausgelegt sind uns möglichst lange zu halten.
Zu kritisch? Nein. Ich finde diese Frage wichtiger als die meisten Dinge die gerade auf LinkedIn als wichtig verkauft werden. 😊
 
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