Ehrlich gefragt: Glaubt hier noch jemand daran dass Politik wirklich was verändert?

JonasK

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Ich sag's mal so direkt wie es ist – ich hab die Bundestagswahl verfolgt, ich hab gehofft, ich hab abgewartet. Und jetzt? Inflation und steigende Lebenshaltungskosten sind laut aktuellen Umfragen immer noch das Nummer-1-Thema für die Deutschen. Nicht als neues Problem – sondern als Dauerzustand. 😮‍💨

Was mich wirklich aufregt ist nicht mal eine bestimmte Partei. Es ist das Gefühl, dass sich das politische System selbst irgendwie... feststeckt. Wir diskutieren seit Jahren über bezahlbare Mieten, über die Bahn die nie pünktlich ist, über Digitalisierung die nicht vorankommt. Und irgendwie passiert – nichts. Oder zu wenig. Oder zu langsam.

Und dann lese ich, dass laut dem aktuellen Demokratie-Report 74% der Weltbevölkerung in Autokratien leben – und dass politische Polarisierung auch bei uns als wachsende Gefahr beobachtet wird. Das klingt erstmal abstrakt. Aber ich merk das im Alltag. In Gesprächen mit Familie, Kollegen, Nachbarn. Die Fronten werden härter. Jeder redet nur noch mit Leuten die eh schon seiner Meinung sind. 🤨

Ich will hier niemandem sagen wen er wählen soll. Aber ich frag mich ernsthaft: Wann haben wir aufgehört, Politik als etwas zu sehen das uns alle betrifft – und wann hat es angefangen, nur noch ein Stammtisch-Streitthema zu sein?

Habt ihr das Gefühl dass eure Stimme noch irgendwas verändert? Oder fühlt ihr euch auch manchmal wie Zuschauer bei einem Spiel dessen Regeln ihr nicht kennt? 😅 Ich bin gespannt was ihr denkt – gerne auch kontrovers!
 
Ja. Voll. Dieses Zuschauer-Gefühl trifft es eigentlich perfekt. 😔
Ich hab auch gewählt, hab gehofft, hab abgewartet. Und irgendwann merkt man dass sich der Zyklus einfach wiederholt. Neue Gesichter, gleiche Probleme, gleiche Debatten. Mieten, Bahn, Digitalisierung – ich könnte schwören ich hab diese Schlagzeilen schon 2015 gelesen.
Was mich dabei am meisten frustriert ist nicht mal die Politik selbst. Es ist dass wir als Gesellschaft irgendwie aufgehört haben gemeinsam drüber zu reden. Früher hat man sich mit Leuten gestritten die anders dachten. Heute scrollt man einfach weiter oder blockiert. Das macht was mit uns glaub ich. 🤷‍♂️
Trotzdem – und das klingt vielleicht naiv – glaub ich nicht dass Nichtwählen oder Rückzug die Antwort ist. Nicht weil das System perfekt ist. Sondern weil das Vakuum das entsteht wenn alle aufgeben mir noch mehr Angst macht als der Status quo.
Aber ehrlich gesagt weiß ich auch nicht mehr so genau wie Veränderung heute eigentlich aussehen soll. Über welchen Kanal, mit welchen Mitteln. Das beschäftigt mich gerade mehr als jede einzelne Partei.
Hast du noch irgendwas das dich politisch motiviert – oder ist die Luft komplett raus? 👀
 
Hey ihr beiden, ich les das hier und merk dass ich beiden gleichzeitig zustimme – und das fühlt sich komisch an 😅
Jonas du hast recht dass das System feststeckt. LateDuty du hast recht dass Rückzug keine Lösung ist. Aber genau dazwischen steck ich gerade. Ich will nicht aufgeben. Und gleichzeitig weiß ich nicht mehr wohin mit der Energie. 🤷‍♀️
Das mit den Schlagzeilen aus 2015 hat mich übrigens echt getroffen. Ich hab letzte Woche tatsächlich einen alten Artikel über die Wohnungsnot gefunden – von 2014. Wort für Wort hätte der heute erscheinen können. Das sagt eigentlich alles.
Und was du sagst LateDuty über das miteinander Reden – ja. Komplett. Ich merk das auch in meinem Umfeld. Niemand streitet mehr wirklich. Man sortiert sich einfach aus. Und das finde ich fast beängstigender als jede politische Entscheidung. Weil ohne echten Austausch wird das nie besser. Egal wer regiert.
Ich glaub meine ehrliche Antwort auf Jonas seine Frage ist: ja die Luft ist teilweise raus. Aber komplett aufgeben kann ich irgendwie auch nicht. Vielleicht ist das schon alles was man gerade realistisch von sich verlangen kann. 😔
 
Hey ihr beiden, danke für die ehrlichen Antworten...das hilft mir gerade mehr als ich erwartet hätte. 🙏
LateDuty dein Punkt mit dem Vakuum lässt mich nicht los. Ich glaub du hast recht. Nicht wählen oder sich rausziehen fühlt sich irgendwie nach Kontrolle an, aber es ist eigentlich das Gegenteil. Man gibt die einzige Stellschraube ab die man überhaupt hat. Auch wenn sie klein ist.
Anna der Artikel von 2014, das ist so ein Moment wo man kurz aufhört zu atmen. Weil es bedeutet dass wir nicht mal mehr weiterdiskutieren. Wir wiederholen dieselbe Diskussion. Im Kreis. Und alle nicken und nichts passiert. Das ist das was mich eigentlich am meisten lähmt. Nicht Wut. Einfach diese müde Resignation. 😔
Was mich dabei beschäftigt ist folgendes. Ich frag mich ob das System tatsächlich feststeckt oder ob wir als Gesellschaft feststecken. Weil vielleicht ist das System ja nur ein Spiegel von uns. Von unserer Ungeduld, unserer Bubble, unserem Wegschauen wenn es unbequem wird.
Das klingt jetzt nach "wir sind selbst schuld" und das mein ich nicht so. Aber ich frag mich ob Veränderung vielleicht wirklich kleiner anfängt als wir denken. Nicht Bundestagswahl. Sondern das Gespräch das man nicht abbricht. Der Nachbar mit dem man trotzdem redet. 🤷‍♂️
Oder rede ich mir das nur ein weil die große Lösung gerade nicht in Sicht ist? 😅
 
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