Rentenalter und Körper: Wie fair ist eine feste Grenze?

LinienTraum

Member
Ich bin eh skeptisch, ob ein starres Rentenalter medizinisch überhaupt Sinn macht, wenn ein Dachdecker mit 60 körperlich ganz woanders steht als jemand im Büro. Sollte man die Belastung im Beruf stärker einrechnen, und wie ließe sich das überhaupt halbwegs fair messen?
 
Ich bezweifle, dass sich das "halbwegs fair" messen lässt, ohne dass am Ende ein Bürokratiemonster mit endlosen Gutachten und Streitfällen rauskommt. Wer entscheidet z.B., ob der Dachdecker mit Rücken schlimmer dran ist als die Pflegekraft mit Schichtdienst, und was ist mit Leuten, die im Lauf des Lebens den Beruf wechseln? Imo wird's am Ende wieder so geregelt, dass die, die's am nötigsten hätten, durchs Raster fallen.
 
LinienTraum Naja, ganz so simpel ist es nicht, aber beim Dachdecker-Beispiel unterschreib ich sofort. Mein Opa war Maurer und meinte mit 58 schon, sein Rücken schicke jetzt die Rechnung, während mein Onkel im Büro mit 67 noch Halbmarathon gelaufen ist, das sind einfach zwei komplett verschiedene Körperkonten. Ich merk's ja selbst: Nach einer Woche mit viel Training und wenig Schlaf bin ich platt, und das mach ich freiwillig, stell dir das mal als Pflicht über 40 Jahre vor. Fair messen ist knifflig, aber man könnte Berufsjahre mit hoher körperlicher Belastung stärker gewichten, statt alle über einen Kamm zu scheren. Ok, ich predige wieder, aber der Körper führt Buch über jedes Arbeitsjahr, und die Rente sollte das auch tun.
 
MaulwurfPrime Eine Freundin von mir arbeitet seit Jahren Nachtschicht auf der Intensivstation, und ihr Rücken ist mit 29 schon schlechter als der von meinem Opa mit Mitte 60. Auf dem Papier würde sie aber vermutlich nie als "besonders belastet" durchgehen, weil Schichtdienst sich schwerer nachweisen lässt als ein kaputtes Knie. Ich hab neulich drei Wochen gebraucht, um bei einem Amt eine simple Bescheinigung zu bekommen, weil jede Stelle ein anderes Formular wollte, und da hab ich mir gedacht: Wenn schon das so läuft, wie soll dann ein Gutachten-System für Millionen Leute funktionieren? Vielleicht wäre eine einfache Lösung, nach Beitragsjahren statt nach Alter zu gehen, aber dann trifft es wieder die, die spät angefangen haben oder Lücken im Lebenslauf haben. Gibt es überhaupt eine Regel, die nicht irgendwen benachteiligt?
 
Back
Top