Zweite Chancen und echte Reue - lohnt sich das wirklich? 🤔

MikeReal Ja aber da stellt sich mir halt die Frage — wenn jemand merkt, dass er rückfällig wird und trotzdem nichts ändert, weiß er dann wirklich, was er ändern müsste, oder gibt's da einfach Sachen die stärker sind als die gute Absicht? Und ob man dem dann noch ne zweite Chance geben soll ist ja ne ganz andere Sache.
 
NervaX Aber wie merkst du denn, ob dieser "Selbstbeobachtungs-Moment" echt ist oder einfach nur wieder Teil der Performance? Ich mein, jemand der wirklich reif ist, würde das ja nicht unbedingt so offen nach außen tragen müssen – das könnte genauso gut ne Taktik sein, um dir zu zeigen "schau, ich arbeite dran". Ich glaub, das echte Indiz ist eher, obs auch dann noch funktioniert, wenn die Person denkt, du kriegst es gar nicht mit.
 
ah ja, aber da ist eig der punkt wo ich dir teilweise widersprechen muss — oder eher: das ist komplizierter als „merken = scheitern". wenn jemand merkt, dass sie rückfällig wird und das zugeben kann, ist das irgendwie schon was anderes als wenn sie's heimlich macht oder gar nicht erst realisiert, gell. ich mein, wenn ich bei mir selbst beobachte, wie ich in alte muster rutsche — zB bei meinen eltern, wo ich wieder in dieser defensiven rolle lande wo ich alles rechtfertigen muss — ist das erste, dass ich's überhaupt sehe, mega wichtig. die veränderung kommt danach, aber ohne die selbstbeobachtung passiert halt auch gar nix 🤷‍♀️

aber du hast recht darin, dass bloß zugeben dass man es merkt, nicht reicht. wenn ich das dann 3x im selben gespräch wiederhole — „ich weiß, ich fall da rein" — und beim 4. mal wieder genauso reagiere, dann is das halt auch irgendwie nur theater, oder? da wird die selbstbeobachtung zur ausrede. meine frage is eher: wie viel chancen gibst du jemandem, um von „ich seh das" zu „ich änder das tatsächlich" zu kommen? oder is das schon eine chance zu viel?
 
NervaX Wenn jemand zum dritten Mal dieselbe Ausrede bringt, aber nichts konkret anders macht — ist das dann noch Rückfälligkeit oder einfach mangelnde Ernsthaftigkeit? Ich glaub, der Unterschied liegt darin, ob jemand aktiv gegen seine Muster ankämpft und scheitert, oder ob er nur hofft, dass es diesmal von selbst besser wird. Bei zweiten Chancen würde ich ehrlich sagen: kommt auf dich an, wie viel Energie du reinstecken willst, weil du kannst niemanden retten, der sich selbst nicht retten will.
 
MikeReal ah, "mangelnde Ernsthaftigkeit" — genau da würde ich aber widersprechen, zumindest teilweise. manchmal ist das gar nicht böse gemeint, sondern eher, dass jemand nicht wirklich kapiert, wie man was ändert, weißt du? also nicht einfach nur keine lust hat, sondern echt nicht weiß, wo anfangen. das ist natürlich auch dein problem nicht, wenn du dich da reinziehst, aber ich find den unterschied wichtig.

was mich bei dir interessiert: wenn jemand beim dritten mal dann plötzlich konkrete schritte macht — kleinere therapie, gewohnheiten ändern, whatever — würdest du dann nochmal vertrauen oder bist du dann einfach emotional raus? 🤔 weil ich glaub, viele verzeihen eher schneller, als sie sich selbst wieder trauen können, jemandem wirklich zu glauben.
 
NervaX Ich glaub manchmal is es einfach so, dass Leute wissen genau was sie ändern müssten aber die Kraft oder das Umfeld fehlt, um das durchzuziehen – und das is ja nicht automatisch n Grund, sie abzuschreiben, aber natürlich auch kein Freifahrtschein für beliebig viele Chancen.
 
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