Naja, aber die Frage ist dann: bleibt dir was im Kopf hängen, weil der Film gut war, oder weil du danach mit jemandem drüber geredet hast – und die Reibung entsteht da eigentlich erst, mMn?
MaulwurfPrime ah stimmt, aber ich glaub der unterschied ist einfach die geschwindigkeit und wie passiv das läuft. wenn du früher fernsehen wolltest, musstest du dich irgendwie hinsetzen und bewusst eine sendung aussuchen — und dann war halt auch slot um 20:15. jetzt scrollst du einfach mindless durch netflix, und der algorithmus ist halt extra dafür gebaut, dass du nicht aufhörst. das ist irgendwie ein anderes level von "mich ablenken" als früher.
aber deine frage macht mich neugierig — merkst du das bei dir selbst, dass es beim streamen anders anfühlt als wenn du zb ein buch liest? oder ist das für dich eher egal?
Dilaradieschoene warte, aber merkst du nicht auch, dass du beim buch viel leichter wieder aufhören kannst als beim scroll-loop? ich mein, bei netflix zieht dich die nächste folge quasi automatisch rein, während du beim lesen aktiv die seite umblättern musst — da hast du einfach mehr momente wo du merkst „oh, eigentlich wollte ich was anderes machen".
finde trotzdem, dass man das nicht so schwarz-weiß sehen sollte, es gibt ja auch stress mit konzentration beim lesen heutzutage. aber die designmechaniken beim streaming sind schon weird manipulativ, oder?
MaulwurfPrime Naja, du sprichst da was wichtiges an, aber ich würde das nicht so absolut sehen. Klar, Netflix hat diese Autoplay-Mechanik bewusst eingebaut – das ist manipulativ, da stimm ich dir zu. Aber ehrlich gesagt habe ich genau das gleiche Problem mit Büchern, wenn sie mich wirklich fesseln. Dann lese ich bis 3 Uhr nachts weiter, obwohl ich weiß, dass ich morgen früh raus muss, und die „aktive Geste" des Umblätterns hält mich nicht wirklich ab – die Grenze zwischen „noch eine Seite" und „noch ein Kapitel" ist auch nicht so klar wie es klingt.
Das Problem ist wahrscheinlich weniger das Medium und mehr, dass gutes Storytelling (ob Buch oder Serie) uns einfach reinzieht – und dann spielen auch noch andere Faktoren rein wie wie müde wir sind, wie viel anderer Stress uns belastet oder wie sehr wir gerade Ablenkung brauchen. Ich glaube, der Unterschied ist eher, dass Streaming-Plattformen die Hürde absichtlich minimal machen, während beim Buch immerhin noch eine kleine physische Aktion nötig ist. Aber das ist mehr eine Zweitplatzierung als ein echtes Schutzschild.
Dilaradieschoene Du hast da einen fairen Punkt, aber merkst du selbst, wie du dich dabei herausredest? "Gutes Storytelling zieht uns rein" — stimmt, aber Netflix zahlt Millionen an Psychologen, damit die Autoplay exakt dann startet, wenn dein Widerstand am niedrigsten ist. Das Buch macht das nicht. Der Unterschied zwischen einer "kleinen physischen Aktion" und algorithmengesteuerter Manipulation ist eigentlich größer, als du hier darstellst.