Hat jemand von euch grad mitbekommen, wie IPOs komplett in die Hose gehen können?

NervaX

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Ich hab grad gelesen, dass ne Aktie beim Start mega unter dem Ausgabepreis liegt und frag mich ehrlich: wie kann das passieren, wenn doch angeblich alles so gut geplant is? 🤔 Sind das einfach Fehler bei der Preisgestaltung oder steckt da was anderes dahinter — und sollte man als normaler Anleger da einfach die Finger von lassen?
 
NervaX meistens ist es einfach, dass die banker den kurs zu hoch ansetzen weil sie provisionen damit verdienen — und dann merkt der markt sofort "ne, das ding ist mir zu teuer" und zack, alle wollen verkaufen statt kaufen.

mich hat das immer an meinen versuch erinnert, meine oma zu überreden dass ihr smartphone "eigentlich sehr günstig" is — am ende zählt halt was der käufer bereit is zu zahlen, nicht was der verkäufer sich vorstellt
 
Samira4657 Ja, genau das. Ich hab das letzte Woche bei meiner Freundin beobachtet, die bei einer Bank arbeitet – die haben intern über nen Tech-IPO diskutiert und selbst die Profis waren sich nicht einig, ob der Kurs realistisch ist. Am Ende war das Ding nach ner Woche im Keller, weil einfach keiner zum Preis kaufen wollte. Dein Oma-Beispiel trifft es mega – wenn die Leute denken, dass was zu teuer ist, dann ist es auch zu teuer, egal wie sehr die Banker das schönreden. Der Markt interessiert sich halt kein bisschen für Provisionen.
 
Dilaradieschoene naja, aber das ist halt auch das ding – die banker wissen oft genau, dass der kurs unrealistisch is, verkaufen dir das aber trotzdem mit vollster überzeugung 😅 deine freundin hat das richtig erkannt. mich fasziniert eig immer, wie viel theater um nen preis gemacht wird, als wäre es ne wissenschaftliche konstante und nicht einfach nur... das, was irgendwer dafür zahlen will. meine oma hätte da einfach drauf geschaut und gesagt "zu teuer, kauf ich nicht" – und zack, börsencrash. die hat mehr finanzielle weisheit als so mancher analyst, nur ohne aktienoptionen und mit besseren keksen dabei.
 
Samira4657 Haha, die Oma-Analogie is leiwand, aber ich würd da ein bisserl differenzieren. Bei IPOs is das Problem eher, dass die Banken bewusst mit hohen Bewertungen kalkulieren, weil sie damit ihre eigenen Provisionen maximieren — das is ein klassisches Interessenskonflikt-Ding. Was mich fasziniert: Wenn du dir anschaust, wie viele IPOs in den letzten zehn Jahren am ersten Tag quasi sofort abgestürzt sind, merkst du, dass die Underwriter das System eigentlich kennen und trotzdem machen. Das deutet drauf hin, dass es weniger um echte Preisfindung geht als vielmehr um Marketing und Risikoverschiebung. Ich glaub, der Knackpunkt is weniger "der Markt merkt, dass's zu teuer is" als vielmehr "die großen Investoren werden beim IPO-Preis bevorzugt behandelt, und die normalen Privatanleger schauen dann in die Röhre, wenn's crasht."
 
Samira4657 Haha, deine Oma hätte wahrscheinlich recht – nur dass sie eben nicht auf der Verkäuferseite sitzt 😄. Das Problem ist ja, dass die Banker sehr genau wissen, dass sie den Preis künstlich hochfahren, aber ihr ganzes System ist darauf aufgebaut, dass sie das tun müssen. Die brauchen diese Überteuerung, um ihre Provisionen zu rechtfertigen und die Underwriting-Gebühren zu kasieren – ob der Kurs dann nachher kollabiert, ist ehrlich gesagt deren Problem nicht mehr, z.B. beim nächsten IPO machen sie's genauso. Was mich irritiert: Es gibt da durchaus Mechanismen, die sowas verhindern könnten, aber sie werden systematisch ignoriert, weil es für zu viele Leute lukrativ ist, einfach ein Jahr später dieselbe Masche zu fahren. Ob da irgendwann mal eine echte Regulierung kommt oder ob das einfach wie Wahnsinn im Loop läuft – keine Ahnung. Deine Oma mit ihrem "zu teuer, nicht gekauft" wäre zumindest konsistent, das respektier ich 🍪.
 
Ja, genau – das is halt das Verrückte daran: Bei nem IPO is es wie n Bahnhof, wo plötzlich alle zur gleichen Zeit ankommen und keiner weiß, ob der Preis fair is oder ob man gerade übernommen wird 😅 Deine Freundin hat das perfekt beschrieben – selbst wenn die Unternehmung solid is und die Banker das noch so schönreden, wenn der Markt sagt "nee, nicht zu dem Preis", dann is Schluss im Gelände. Das hab ich auch bei ner Kollegin gesehen, die in ne Welle ner Startups rein is – da ging es weniger um die echte Bewertung, sondern einfach darum, wer zuerst merkt, dass die Musik stoppt. Und die Provisionen der Banker interessieren halt wirklich niemanden, wenn die erste Welle Käufer einfach keine mehr finden. Der Punkt is: Ein IPO is nich ne mathematische Gleichung, sondern n massiver psychologisches Ding. Wenn die ersten nen Tag lang sehen, dass der Kurs bröckelt, ziehen alle anderen sofort nach – und dann kanns ganz schnell bergab gehen. Deine Oma hätte recht gehabt, das Ding zu ignorieren.
 
LinienTraum Du machst da einen guten Punkt mit der Psychologie, aber ehrlich gesagt unterschätzt du, wie viel die Fundamentals noch immer zählen. Klar, bei nem IPO kann Herdentrieb zuschlagen – aber wenn ein Unternehmen wirklich solid wirtschaftet, kommt es nach ner Korrektur meistens wieder rein, gell. Das Problem is eher, dass viele Leute bei IPOs unrealistische Erwartungen haben und dann beim ersten Rückgang in Panik verfallen, statt einfach mal zwei Jahre zu warten. Die Banker-Provisionen sind auch voll überbewertet als Grund für Blasen – da spielen Zinsumfeld und Marktsentiment viel stärker rein. Deine Kollegin-Geschichte ist ja das Klassische: Leute, die spekulieren statt investieren, und dann wundern sie sich, wenn sie bei der falschen Welle aussteigen. Die Moral is nicht "IPOs ignorieren", sondern "schlauer hineingehen und nicht beim ersten Windstoß wieder raus".
 
MikeReal Ja, aber genau da liegt der Haken – "schlauer hineingehen" ist leichter gesagt als getan, wenn du keine fundierte Analysefähigkeit hast. Ich hab ne Bekannte, die hat sich vor nem IPO ne halbe Stunde lang YouTube-Videos angeschaut, dann die Hälfte ihres Ersparten reingehauen, weil der Gründer so charismatisch wirkte, und sechs Monate später war die Hälfte weg. Sie wusste intellektuell, dass sie langfristig denken sollte – aber psychologisch war sie einfach nicht da, um zwei Jahre Drawdown auszuhalten, wenn die Miete am ersten des Monats fällig wird. Das Problem is IMO weniger, dass die Fundamentals nicht zählen, sondern dass die meisten Menschen gar nicht in der Position sind, Fundamentals zu bewerten, UND gleichzeitig emotional genug Puffer haben, um Volatilität auszusitzen.
 
"Fundamentals zählen noch immer" – aber ändert das nicht eher die Geschwindigkeit der Korrektur, nicht die Wahrscheinlichkeit, dass sie kommt? Wenn alle mit denselben Fundamentals rechnen und alle zur gleichen Zeit rauswollen, werden die Fundamentals ziemlich schnell irrelevant.
 
Samira4657 Naja, das ist halt nur die halbe Geschichte — die Banker verdienen ihre Provisionen meist auch beim Flop, also ist ihnen der Kurs egal solange's Volumen hat. Interessanter finde ich, dass gerade bei IPOs oft völlig unrealistische Erwartungen aufgebaut werden, und dann kommt die Realität und alle sind überrascht dass ein Startup mit Verlust auch... naja, Verlust macht. Ich hab mal ne Freundin bei ner Börsenzeitung gefragt, die meinte die schlimmsten Crashs sind eher wenn plötzlich was über die Company rauskommt, was vorher keiner wusste.
 
MikeReal Ja, aber genau da liegt der Hund begraben – zwei Jahre Geduld haben die meisten gar nicht, und wenn dann nach sechs Monaten nichts passiert ist, verkaufen sie mit Verlust, weil sie das Geld doch lieber für irgendwas anderes gebraucht hätten.
 
NervaX Naja, das mit den realistischen Erwartungen — da spielen die Medienmacher ja auch mega mit, gell. Die bauen dir den Hype so auf, dass selbst profitables Wachstum dann wie eine Enttäuschung wirkt, weil alle gerechnet haben, dass die Firma bis Weihnachten die Welt rettet.
 
Samira4657 Da steckt was Wahres drin — aber fragst du dich manchmal, ob der Hype nicht auch Teil der Geschäftsstrategie selbst ist, zumindest von den Unternehmen? Also ob die bewusst diesen absurden Erwartungswert mitnehmen, weil's beim IPO hilft?
 
Collex Genau das ist der Punkt – sobald alle die gleiche Einsicht haben, wird die Einsicht selbst zur nutzlosesten Information überhaupt, weil dann nur noch zählt, wer zuerst die Tür erreicht. Die Fundamentals sind dann wie ne Bedienungsanleitung, die du liest, während das Haus schon brennt. Aber interessiert mich: Denkst du, dass es überhaupt möglich ist, das vorherzusehen – oder ist das einfach das Risiko, das man nehmen muss, wenn man dabei sein will?
 
Das ist imo der klassische Reflexions-Problem: je besser deine Vorhersage ist, desto mehr Leute haben dieselbe Einsicht, und dann ist sie nicht mehr vorhersagend, sondern selbsterfüllend. 🤔

Mit "Vorhersehen" meine ich – man kann wahrscheinlich schon patterns erkennen, die verdächtig aussehen (zu viel hype, fundamentals schwach, aber Kurs steigt trotzdem). Nur: sobald die Pattern-Erkennung zu einer gemeinsamen Einsicht wird, verschwindet die Edge, die dir erlaubt hätte, früh rauszugehen. Jeder andere Rationale denkt das gleiche, und dann ist das einzige, was noch zählt, wer den größten Nerv hat und wann er tatsächlich verkauft – nicht die Fundamentals, sondern pure Psychologie und Timing.

Meine unbequeme Beobachtung: wahrscheinlich ist "es vorherzusehen" nicht das Problem. Das Problem ist eher, dass Vorhersagen in Märkten nur dann wertvoll sind, wenn sie geheim bleiben – sobald sie viral gehen, verlieren sie ihren Vorhersage-Value. Das ist wie ein Exploit, den du auf HackerNews postest: nach 2 Stunden ist er für dich nutzlos, weil jeder ihn patched.

Die Frage ist vielleicht weniger "kann man's sehen?", sondern "wer profitiert davon, dass die Mehrheit es nicht sieht
 
MaulwurfPrime Naja, genau das is ja das Dilemma – die durchschnittliche Haltezeit bei IPOs is mittlerweile absurd kurz geworden, mMn liegt sie irgendwo bei unter einem Jahr. Ich kenn da einen, der hat bei nem Tech-IPO mitgemacht, weil er dachte "zwei Jahre easy, ich bin geduldig" — und dann hat er nach vier Monaten panikverkauft, weil sein Depot rot war und die Nebenkosten für seine Wohnung plötzlich gestiegen sind 😅 Die Banken wissen genau, dass die meisten das durchhalten können't, und spielen damit. Wie lang hältst du denn normalerweise, wenn du bei sowas reingehst?
 
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