Warum packen wir immer zu viel ein, obwohl wir wissen, dass wir es nicht brauchen?

Samira4657

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Okay, ich geb's zu — ich bin eine dieser Personen, die drei Paar Schuhe für eine Wochenendreise mitnimmt. Dabei weiß ich ganz genau, dass ich eh nur in den einen Sneakern rumrennen werde, weil die anderen beiden mir nach zwei Stunden wehtun. Aber was mich viel mehr beschäftigt: Wieso packen wir eigentlich Dinge ein, die wir garantiert nicht verwenden werden? Ich meine, der Reiseführer vom Vorjahr, drei Medikamente "für den Fall", dass es passiert, und dieses eine Outfit, das wir seit Monaten nicht anziehen, aber "für die Reise könnte es ja passen"? Bringt ihr auch immer Zeug mit, das ihr nie verwendet — oder seid ihr die vernünftigen Menschen, die minimalistisch packen und danach nicht böse Überraschungen erleben? Und die andere Frage: Ist das eigentlich eine Art unbewusste Kontrollillusion, oder fahren wir einfach alle ein bisserl verwirrt in den Urlaub?
 
Samira4657 Haha, ich erkenne mich da teilweise wieder 😅 aber ich glaub, das hat weniger mit Kontrollillusion zu tun — eher mit diesem klassischen "Was-ist-wenn"-Denken, das unser Gehirn halt liebt. Studien zeigen, dass wir Verluste (also das fehlende Outfit) stärker gewichten als den Gewinn (leichteres Gepäck), deshalb packen wir lieber zu viel ein. Die Frage ist eher: Wann hast du das letzte Mal wirklich aus deinem Überpack-Gepäck was gebraucht, das nicht ohnehin überall zu finden ist? 🤔
 
tobi404 Aber packst du dann beim nächsten Mal trotzdem wieder zu viel ein, obwohl du weißt, dass du es nicht brauchst? Also, lernst du daraus oder ist das einfach immer wieder das gleiche Spiel?

Ich glaube, dein Punkt mit dem Verlust-Gewinn-Denken ist absolut richtig, aber ich würde sagen, es geht noch ein bisschen tiefer. Es ist nicht nur rational, sondern auch emotional — wir wollen uns einfach sicher fühlen, und Gepäck ist irgendwie ein Sicherheitsanker, auch wenn er völlig irrational ist. Ich pack zum Beispiel immer drei verschiedene Jacken ein, obwohl ich genau weiß, dass ich maximal eine brauche. Aber in dem Moment, wo ich packe, denke ich: "Was ist, wenn es kälter wird?" oder "Was ist, wenn ich spontan wohin gehe?" — und dann schleppst du die Dinger halt mit, obwohl du sie nie anfasst. Das Überpack-Gepäck ist weniger eine Frage von Rationalität und mehr von dieser diffusen Angst, etwas zu verpassen oder nicht vorbereitet zu sein.
 
Naja, ich würde sagen, das Sicherheitsgefühl ist nur die halbe Wahrheit, gell. Ich glaub, es geht auch viel um diese kleine Stimme im Kopf, die dir sagt: "Besser haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben" — und die ist mega hartnäckig, egal wie oft du merkst, dass du die drei Jacken nie auspacken wirst.

Bei mir ist es ähnlich, aber ich hab gemerkt, dass ich danach bewusster packe, wenn ich die Last vorher wirklich gespürt hab. Das klingt jetzt hart, aber manchmal hilft es, sich selbst zu zwingen, nur das Nötigste mitzunehmen — einfach um zu sehen, dass nichts Schlimmes passiert. Nach ein paar Mal wird man einfach mutiger und vertraut sich selbst mehr.

Was mich aber nervt: Ich pack immer noch zu viel ein, wenn ich zu wenig Zeit zum Packen hab. Dann läufts automatisch ab und ich schnapp mir die Jacken, ohne nachzudenken. Das rationale Wissen bringt da nicht viel, wenn die Zeit fehlt zum Reflektieren.
 
Kira Du sprichst da einen wichtigen Punkt an: unter Zeitdruck verfallen wir zurück zu den Default-Mustern, egal wie sehr wir sie rational durchschaut haben. Das ist bei mir genauso – wenn ich gehetzt bin, gewinnt das Autopilot-Hirn gegen die bewusste Entscheidung.

Das Problem ist, dass "besser haben und nicht brauchen" sich in der Stresssituation anfühlt wie eine objektive Wahrheit, nicht wie ein Bias. Dein Gehirn hat damals in der Rushour entschieden: Jacken einpacken = Sicherheit, und wenn die Adrenalin läuft, ist das die Regel, nicht die Ausnahme. Erst wenn du wieder Zeit hast zu atmen und zu denken, merkst du, dass du die drei Teile nicht brauchtest.

Das Interessante ist: auch wenn du selbst die Erkenntnis hattest, dass nichts Schlimmes passiert – beim nächsten Mal unter Druck packst du vermutlich trotzdem wieder zu viel, weil die emotionale Erfahrung ("Moment der Unsicherheit") stärker wirkt als die rationale ("danach war es OK").

Wie oft lässt du dich selbst da bewusst "scheitern" und packst weniger ein, oder ist das zu unbequem, um es regelmäßig zu trainieren?
 
Collex Mir is des bei Reisen genauso passiert – ich hab immer gedacht, wenn i net alles mitnehm, was könnte denn passieren, und dann pack i halt die ganze Wohnung ein. Bis i irgendwann gemerkt hab, dass i die Hälfte nie aus dem Koffer raushol.

Was Kira da schreibt, stimmt eh komplett – unter Druck is die rationale Erkenntnis wirklich wertlos. Es geht gar net um "besser haben und nicht brauchen", es is eher so ein uraltes Programm: mehr = sicherer. Und wenn die Zeit drängt, dann denkt dein Hirn halt net "letzte Woche hat's auch ohne funktioniert", sondern nur "was wenn". Das rationale part is in dem Moment einfach offline.

Ich glaub, das Problem is, dass ma des net wirklich trainieren kann, ohne sich dabei unbequem zu fühlen. Bewusst weniger einzupacken und dann zu hoffen, dass nix schiefgeht – das fühlt sich einfach wider der Natur an, selbst wenn man weiß, dass's blöd is. Die emotionale Erfahrung (Angst vor dem "Was wenn") is halt stärker als die Erkenntnis hinterher. Deswegen packn die meisten Leit wahrscheinlich immer wieder zu viel, egal wie oft sie merken, dass's für nix gebraucht wurde.
 
Kira ja, das is eig das nervigste daran — du weißt rational genau, dass die drei jacken quatsch sind, aber dann packst du sie trotzdem ein, weil dein gehirn im autopilot-modus is und dir keine zeit zum nachdenken bleibt 😤 bei mir is das letztens auch so gelaufen, bin dann mit nem rucksack wie ne wanderin rumgelaufen, obwohl ich nur ins büro musste, und natürlich hab ich nix davon gebraucht.
 
NervaX Du sprichst da was Wichtiges an – und ich glaub, das geht über reine Irrationalität hinaus. Es is eher so: die Kosten des Überpackens sind diffus und verteilt (ein bisschen schwerer, ein bisschen umständlicher), während die Kosten des Unterpackens sehr konkret und plötzlich sind (im schlimmsten Fall bist du ohne was da, das du brauchst). Dein Hirn bewertet die nicht fair gegeneinander, selbst wenn du rational wissen kannst, dass Unterpacken statistisch nicht so kritisch ist.

Das Ding is aber auch – du kannst diesen "Trade-off" gar nicht wirklich trainieren, ohne dass dich das kostspielt. Wenn du bewusst weniger packst und es geht schiefgeht, is das unmittelbar schmerzhaft und bleibt in Erinnerung. Wenn du zu viel packst und nie brauchst, merkt das keiner und du spürst nur ein kleines Unbehagen, das du leicht ignorieren kannst. Das bedeutet, dein Gehirn wird dir immer wieder das Überpacken "belohnen", weil die negative Erfahrung seltener und weniger intensiv is als die Alternative.

Ich glaub ehrlich gesagt, das einzige, was wirklich hilft, is sehr konkrete Constraints setzen – nicht "pack weniger ein", sondern "du hast nur diesen einen Koffer und sonst nix". Weil dann is deine rationale Entscheidung erzwungen, nicht optional. Aber solang die Wahl
 
MaulwurfPrime Haha, ja das kenne ich — bei mir war es ähnlich, als ich letztens für ein Wochenende gepackt habe und plötzlich fünf verschiedene Oberteile mitgenommen habe, obwohl ich genau wusste, dass ich maximal zwei anziehe. Ich glaube, das hat auch viel mit dieser diffusen Angst zu tun, etwas zu vergessen, die dich einfach zum Einpacken treibt, ohne dass du es wirklich reflektierst. Das Autopilot-Gehirn ist da wirklich hartnäckig!
 
Dilaradieschoene Haha, ja eh, genau das ist bei mir auch der Fall 🎒 Ich lerne da überhaupt nix dazu — jedes Mal derselbe Film. Aber du sprichst da was an, das mich selbst fasziniert: Es ist wirklich weniger eine Verstandessache und mehr so eine unterschwellige Kontrollillusion, oder? Wie wenn du merkst, dass du beim Zähneputzen nochmal kontrollierst, ob die Wohnungstür zu ist, obwohl du sie gerade abgesperrt hast — dein Hirn braucht diesen Snapshot von "alles ist okay" einfach immer wieder neu.

Vor kurzem bin ich auf einen Artikel gestoßen, dass Menschen bei Unsicherheit tendenziell zur Überplanung neigen, weil das Gehirn die Illusion von Kontrolle bevorzugt, selbst wenn sie komplett irrational ist. Und genau das passiert beim Packen — diese drei Jacken sind weniger praktisch, sondern psychologisch ein "Just in Case"-Sicherheitsnetz. Das Ding ist: Selbst wenn wir das wissen und rational verstehen, ändert sich unser Verhalten nicht wirklich, weil es gar nicht um Logik geht, sondern um dieses diffuse Unbehagen, unvorbereitet zu sein. 🤔

Hast du schon versucht, dir vor dem Packen bewusst zu machen, was du wirklich brauchst, oder läuft das bei dir auch unbewusst ab?
 
Ich pack auch immer viel zu viel ein und merke dann erst im Hotel, dass ich die Hälfte gar nicht angerührt habe — aber beim nächsten Trip fange ich wieder von vorne an, gell. Deine Erklärung mit der Kontrollillusion macht mega Sinn, nur frage ich mich: Glaubst du, dass das bewusste Planen (also sich hinsetzen und wirklich aufschreiben, was man braucht) überhaupt hilft, oder ist das dann eh wieder nur eine andere Form von Illusion, die wir uns selbst vormachen?
 
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